GSBK

Manchmal war sie einfach nicht erreichbar, geheimnisvoll verschwunden, und jetzt: für immer.

Beth, das ist schwer für die Freunde, man wird Dich sehr vermissen. Meine Freundschaft mit Beth Thalmann ist eine langjährige, intime, und die geographisch bedingten Unterbrüche konnten ihr nichts anhaben. Dann kamen doch ihre tollen Postkarten, aus Rouen oder Paris, beschrieben mit einer Sprachmischung von Französisch, Englisch, Deutsch. Kein Wunder, dass sie sich in der Normandie zu Hause fühlte, in Frankreich und in der Nähe Englands.

Wir gingen zusammen ins Kino und ins Café, besprachen die Probleme der Malerei und der Literatur und unsere ganz privaten. Meine erste Reise nach Paris machte ich mit ihr und wohne heute wenn immer möglich im gleichen, natürlich etwas modernisierten Hotel wie damals, im Montparnasseviertel, wo sie mich mit dem skurilen Schriftsteller Szittia bekannt machte, dem Verfasser des berühmten literarischen “Kuriositätenkabinetts”. Ich lockte sie nach Genf wo sie meinen Freundeskreis kennenlernte – konnte sie aber nicht lange im Umfeld der Ecole des Beaux-Arts halten, denn es zog sie mit Macht in die Ernst Gubler Atmosphäre von Zürich zurück, der wir ja gemeinsam so viel verdanken.

Als sie für sich die Collage gefunden hatte, hatte sie ihre Welt gefunden, nach mancherlei Ausflügen mit diversen Malmitteln. Diese Collagen, kleine, grosse, wurden je länger je interessanter, ich bewunderte die Phantasie und enorme Fingerfertigkeit mit der sie ihren Weg durch unendliche Materialien und Papierschnitzel zum Bild schuf. Sie machte seltene, aber sehr gute Ausstellungen (siehe Kurzbiographie) – eine absolute Einzelgängerin war sie immer, umgeben und bewundert von denen die sie verstanden.

Es wird eine Ausstellung nötig sein, mit den neusten, noch nie gezeigten Blättern aus den Mappen im Nachlass, um dieses originelle Werk und diesen Lebensweg in Erinnerung zu rufen.

Hanny Fries