Galerie Palette

Galerie Palette, Zürich (1957)
mit W. Götz

Elisabeth Thalmann und Willi Goetz

in der Galerie «Palette»

Zwei Maler gleichzeitig auszustellen, hat seinen besonderen Sinn, wenn das Werk des einen die künstlerische Kraft und Gegenwart in demjenigen des andern zu steigern weiss. Solch befruchtende Gegensätzlichkeit zweier Temperamente wird uns in der gegenwärtigen Palette-Ausgtellung beglückend bewusst.

Zum Teil liegt es schon in der gegensätzlichen künstlerischen Aussagekraft bedingt, welche weibliches und männliches Empfinden ergeben, dass die Bilder von Elisabeth Thalmann spontaner zugänglich sind als die bewusster und strenger komponierten von Willi Goetz. Die Malerin hat eine unmittelbare Beziehung zur Farbe. Die eher linearen Rhythmen, welche der kompositionellen Festigung des Bildes dienen, schmiegen sich dicht in den Farbkörper ein. Dessen eindringliche und warme Verdichtung vermittelt uns die «Komposition in Grün». In der querformatigen «Komposition» daneben (Kat. Nr. 33) wird dieses dichte Formganze mit einer flächigen, in gross ausholenden Rhythmen angelegten zweiten Bildpartie konfrontiert. In «Herbstliebes Duc» – scheint uns – erhält diese Formzweiheit ihre intensivste künstlerische Verdichtung. Persönlichstes sagt die Künstlerin wohl in den ungezwungen entworfenen Zeichnungen Kat. Nr. 42 (Ölkreide) und Kat. Nr. 25 (Kohle) aus.

Wollten wir eine Brücke zum Werke von Willi Goetz schlagen, dann wäre am ehesten Elisabeth Thalmanns «Dreieck-Komposition» zu nennen. Doch auch sie gibt uns noch keinen Begriff von der bewussten Trennschärfe, die der Maler zwischen spontan hingemalten Farbgründen und den genau umrissenen, geometrisch strengen Formgebilden setzt, welche die Bildfläche kompositionell bestimmen. Der blauschummerige Farbgrund in «Komposition 16/57» stellt er absichtlich in keine unmittelbare Beziehung zu den darüber entworfenen Dreiecken. Typisch für das exakte formale Präzisionsbedürfnis des Künstlers ist das einzige kleine Gelbdreieck rechts, welches er mit den tonig verstreuten Blauwerten kontrastiert. Welch sensibles Formempfinden dem Künstler eigen ist, zeigen die «Temperamalereien 6/56» und «4/57». Genaues künstlerisches Empfinden und Schärfe eines in feinen Stufungen ordnenden Intellektes paaren sich darin aufs beste. Auf keinen Fall missen möchten wir die «Collage Nr. 2». Wir könnten uns allerdings vorstellen, dass der Künstler gerade im Verwerten von Klebmaterial zukünftig zu kühneren Formkontrasten ausholen wird.

a-o