Kritiken zu dieser Ausstellung:

Donnerstag, 18. November 1993 Zürichsee-Zeitung

Elisabeth Thalmann und Regula Hotz in der Galerie Vogtei

Was beide vereint ist die Farbe Blau

HERRLIBERG Zwei Künstlerinnen unter einem Dach zu beherbergen ist für jede Galerie eine Denksportaufgabe und Organisationsfrage. Sie sollen sich nicht konkurrenzieren, doch harmonieren. Am besten so, dass sie sich gar nicht erst ähnlich sind, so wie dies derzeit in der Galerie Vogtei in Herrliberg der Fall ist: Collagen versus Keramiken.

Elisabeth Thalmann liebt Blau. Diese Farbe des Himmels und des Meeres dominiert viele der insgesamt 22 ausgestellten Collagen, die einen Einblick in die Schaffensperiode der letzten 20 Jahre geben. In den sechziger Jahren, scherzt die in Zürich und in der Normandie lebende Künstlerin, sei sie in der Limmatmetropole so etwas wie eine “kleine lokale Berühmtheit” gewesen. Doch da gab es schon damals die herrliche alte Mühle in der Normandie, die sie einmal als ganz junge Frau hatte erwerben können, als sie während einiger Jahre in Paris an der Akademie Lhote und danach an der von Leger studierte und die der Grund war, dass der Aufenthalt in Zürich immer wieder durch Reisen nach Frankreich durchbrochen wurde. Nach der Ausbildung in Paris trat Elisabeth Thalmann in Zürich zwei Künstlergruppen bei und fand in Frau Beno eine Galeristin, die “mit Verve und Enthusiasmus junge Künstler um sich versammelte”. Nach ihrer Heirat wurde sie wieder in Frankreich heimisch, wo sie etwa die Hälfte des Jahres verbrachte. Die in Herrliberg gezeigten Collagen haben ihren Ursprung in den sechziger Jahren. Während die akademische Ausbildung damals noch eher dahin ging, sich vor das Motiv zu stellen und dieses zu interpretieren, fand Elisabeth Thalmann bald ihre eigene, innere Sehweise “Klee und Kandinsky und schon sehr früh der Blaue Reiter waren meine Vorbilder”, erzählt sie heute. Später aber fand sie zu sich selbst, zu der Malerei, der sie treu geblieben ist, und schuf farbigere und räumlichere Konzepte. Sie sammelt mit Leidenschaft Zeitungen und bunte Zeitschriften, das Material, aus dem die Collagen entstehen.

Unvergängliches

Die Natur ist im weitesten Sinn der Inhalt aller Bilder. Eine Zeitlang waren es Berge und Steine, welche thematisiert wurden, dann wieder Holz und Wasser, alles nahezu unvergängliche Dinge. Wer vor den Bildern steht, ist überrascht von der Zartheit der Collagen, die manchmal wie Aquarelle aussehen. In Wirklichkeit handelt es sich zum eine Technik, womit die Künstlerin mit einem Lösungsmittel die bedruckte Fläche mitauswäscht Sie hatte oft das Gefühl gehabt, dass die Collagen uneinheitlich wirken, wenn man sie nur klebt.

Zunächst ist sie mit einer Rasierklinge darübergefahren, um die Kontraste zu verwischen, bis sie das Mittel fand, mit dem sie die Farben auswäscht, Elisabeth Thalmann erzählt, dass ihre Arbeit eine Mischung aus Präzision und Intuition ist. Natürlich seien manchmal Themen in ihr selbst, wie die Berge oder Steine oder das Wasser, die während der behutsamen Arbeit mit Papier und Schere dann langsam Gestalt annehmen, und manchmal, nicht sehr oft, erblickte man dazwischen einen Menschen.

Schön und brauchbar

Die Keramikkünsterlin Regula Hotz lebt im Tessin weil ihre Mitgliedschaft im Tessiner Künstlerklub Artigianato del Ticino dies so verlangt. Ein fünf Jahre dauernder Japan-Aufenthält in den siebziger Jahren mit ihrem Mann und zwei Kindern hat in ihr die Begeisterung für die Arbeit mit Keramik geweckt. Die erste Begegnung mit dem irdenen Material, erinnert sich Regula Hotz, sei in einer kleinen Keramikwerkstatt passiet, der sich, wie in Japan durchaus üblich, hinter einem Keramikladen befand. “Man kann dort ein- und ausgehen”, berichtet die Künstlerin, “und muss sich nicht wie hierzulande extra für einen Kurs einschreiben.” Sie benutzte diese Quelle der Kreativität häufig, weil ihre Kinder in japanischen Tagesschulen waren und sie ihre Zeit sinnvoll ausfüllen wollte. Als Regula Hotz 1979 in die Schweiz zurückkam, holte sie alles Theoretische in der Töpferschule in Bern nach, weil ihr die schwierige japanische Schrift diesen Zugang vorher fast unmöglich machte. Sie schloss ihre Ausbildung 1982 als eidgenössisch diplomierte Keramikerin ab und arbeitete zu dieser Zeit bereits zwei Jahre im eigenen Atelier. Wer sich mit der Künstlerin unterhält, bekommt einen Einblick in die zerbrechliche Welt der Kerarnikherstellung, zu der es mehr braucht als einen Brennofen und ein wenig Farbe, wie mancher Laie naiv glauben mag. Da muss man etwas verstehen von chemischen Reaktionen, von dem Gebrauch von Gasflammen oder Elektroöfen, von Bleizusatz, matten oder glänzenden Glasuren, von dem Gebrauch der Asche, die bei richtigem Einsatz dem Ausseren einer Keramik ein Aussehen gibt, als hätte die Farbe 1000 kleine Sprünge gekommen. “Die Harmonie zwischen Form und Glasur ist mir ein grosses Anliegen”, bekräftigt sie und ergänzt, dass es ihr sehr am Herzen läge, dass ihre Gefässe nicht nur schön zum Ansehen sind, sondern Gebrauchsgegenstände werden sollten, weil sie in Japan begriffen haben, wie sehr Tongefässe mit dem täglichen Leben verbunden sind. Eine amorphe Masse solange zu bearbeiten, bis sie die endgültige Gestalt annimmt, ist ein langer Weg. Doch Regula Hotz beschreitet ihn täglich neu, denn für sie ist Ton ein Stück Leben und ihre Leidenschaft.

(Bis 28. November; geöffnet am Donnerstag von 19 bis 21 Uhr und am Samstag von 10 bis 12 und Sonntag 10.30 bis 12.30 Uhr) hwr.

Keramikerin Hotz 1 Keramikerin Hotz 3 Keramikerin Hotz 4 Keramikerin Hotz 5 Keramikerin Hotz 7 Keramikerin Hotz 8 Keramikerin Hotz 9 Keramikerin Hotz 10 Keramikerin Hotz 11