Kunsthaus

Kunsthaus, Zürich (1976) 1976-00-00 bis 1976-03-28
GSMB+K

Kritiken zu dieser Ausstellung:

Ausstellung GSMB + K im Kunsthaus Zürich

U.l. Das Foyer im festlich eröffneten Kunstbaus verbindet den Altbau mit dem Erweiterungsbau; an dieser Begegnungsstätte sollen künftig die Künstlerinnen und Künstler der Region Zürich ausstellen können. Ein glücklicher Gedanke – nicht nur für die Künstler, aus deren Mitte oft zu hören war, ein regionaler Künstler müsse wohl die Sechzig überschritten haben oder bereits gestorben sein, bis seine Werke im Kunsthaus gezeigt würden. Der Gedanke kommt auch jenem Teil des (regionalen) Publikums entgegen, das bisher aus falschem Respekt vor der “grossen” Kunst das Kunstbaus nicht betreten wollte. Jetzt ist der Weg geebnet, und wer einmal im Foyer steht, wird sich nicht mit dem begnügen, was hier ausgestellt ist, sondern nach und nach die Sammlung des Kunsthauses oder andere Ausstellungen kennenlernen. Genau das wünschten die Planer; ein erweitertes Kunsthaus braucht ein erweitertes Publikum.

Die Ehre der ersten Foyer-Ausstellung wird der Sektion Zürich der Gesellschaft schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen (GSMB+K) zuteil, genauer: den Malerinnen der Gesellschaft, weil an der Jubiläumsausstellung des vergangenen Jahres im Strauhof und in der Anlage Bederstrasse die Teppichknüpferinnen und Bildhauerinnen im Vordergrund stehen durften. Die Auswahl aus dem Bilderangebot wurde weitgehend von der Gesellschaft selbst vorgenommen.

So sind jetzt 74 Werke ausgestellt, hauptsächlich Oel- und Acrylbilder, einige Aquarelle und Zeichnungen, dazu Collagen und ein Versuch mit Metallgittern. Die Ausstellung präsentiert sich überraschend einheitlich, solid sozusagen. Es ist kein Werk dabei, das nicht vorzüglich in jede Wohnstube passen würde. Thematisch geben die Bilder wenig Taten und viel Träume wieder; zu denen, welche Taten festhalten oder zur Tat aufrufen, gehören Ursula Niemands Weltbilder, die Verschlungenheiten von Regina de Vries oder Ursula Schneiders Hedonismus. Die paar wenigen guten konkreten Kompositionen (Nell Gattiker) und Carmen Oechsles symbolhaftes rotes Schiff leiten über in die Darstellung von Träumen und Spiegelungen. Margot Hoz malt einen präzis abgegrenzten Traum, Elisabeth Thalmann bildet ihn als Collage, und bei Bettina Truningers Nachtbild brennt er als surrealistische Perspektive. Auch Venja Iselins Winterlandschaft oder die farbig gegestuften Hauskulissen Gertrud Hürlimanns haben die Schwerelosigkeit von Träumen; Margret Büssers gelungene CoIIage-Mischtechnik-Kombinatio-nen (»Fand in mir Dein Spiegelbild«) entsprechen den Notizen nach einem Traum. Das innere Bild bestimmt Beatrix Schaerens wachsende Landschaft, während das Aquarell Gret Eglis als kontemplative Fixierung einer äusseren Form überzeugt.

In den beiden Gemälden von Hanny Fries (<An den Glashütten von Murano vorbei>) wird eine neue Distanz zur sinnlichen Wahrnehmung spürbar. Abstand verlangt auch das gelb-lila Triptychon von Erna Yoshida Blenk; es verwandelt sich in einen Wandschirm, hinter dem das wahre Geschehen sich abspielt. Als formal kühne Werke unterbrechen Jenny Ferris »Arco e parallela« und eine namenlose Komposition Eva Dieners die gedämpfte Gegenständlichkeit der Ausstellung. (Bis 28. März)