HELMHAUS Selektion v. Marie-Louise Lienhard

Intim in der Offentlichkeit

Ausstellung der GSMBK im Zürcher Helmhaus

Die diesjährige Ausstellung der Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen (GSMBK, Sektion Zürich) im Helmhaus ist die beste dieses Verbandes seit langem. Das liegt auch an der sorgfältigen Hängung durch die Konservatorin Marie-Louise Lienhard und an der strengen Jurierung, welche die Frauen sich selbst auferlegt haben: Von 80 Interessentinnen wurden nur 17 auserwählt, so dass nun von jeder Ausstellungsteilnehmerin nicht bloss zwei, drei Bildchen, sondern ganze Werkgruppen gezeigt werden können.

Besonders aufgefallen sind mir innerhalb dieser grundsätzlich ansprechenden Auswahl: das “neue Informell” von Heidi Langauer und Romi Fischer, jenes splittrig-spröd in der Struktur, dieses milder, gewachsener, aber beides mit zonenweise halbdurchscheinender, milchiger Tönung; Elisabeth Zollinger, runenhaft-winterlich, belebt durch die Wärme eines immer wieder aufbrechenden Purpurbrauns; Elisabeth Thalmann mit wirbligen, fast explosiven Collagen, deren Elemente aber so verzahnt sind, dass sich doch eine starke, zusammenhaltende Dichte ergeben hat; der Wandteppich von Nomai Gantert-Hurwitz, auf dessen dunklem Grund Zwitterwesen zwischen Mensch, Lurcht und Girlandenwerk sich zu drei hellen Feldern fügen; schliesslich Hildi Hess mit ihren Porträtbüsten von Frauen, von denen die Gipsbildnisse (“Ungarische Artistin”, “Portrait Erika Knie”) auch dank ihrer zarten Bemalung sich entrücken und doch präsent sind.

Letzten Donnerstag war das Publikum zur Aussprache mit den Künstlerinnen ins Helmhaus geladen, Marianne Olsen, die Präsidentin der Sektion Zürich, regte zuerst eine Diskussion an über Sinn und Ziel eines Verbandes von Künstlerinnen. Man hakte sich eine Weile an dem (scheinbaren) Gegensatz zwischen Demokratieverständnis und strenger Jurierung fest. Dann schlug jemand vor, mam wolle vielleicht doch lieber mit den Künstlerinnen vor ihren Werken diskutieren. Und dann geschah gar nichts mehr, das Publikum löste sich in einzelne, allerdings angeregt plaudernde Grüppchen auf. Ich aber zerbrach mir den Kopf darüber, ob nun das vielleicht “typisch weiblich” sei, dieser Rückzug in die Intimität an einer öffentlichen Veranstaltung. Eine Haltung übrigens, die sich auf der Ebene des künstlerischen Ausdrucks als Grundzug durch die Ausstellung zieht. (fbr)

Das Treffen mit den Künstlerinnen wird am 27. September wiederholt, die Ausstellung dauert noch bis zum 30. September

Frauen bekennen Farbe

Künsterlinnen aus der ganzen Schweiz stellen im Zürcher Helmhaus aus

von Janine Urech

Einzigartige Ausstellung im Zürcher Helmhaus: 16 Frauen aus der ganzen Schweiz bekennen Farbe und zeigen noch bis zum 30. September einen eindrücklichen Querschnitt ihres Schaffens.

Die diesjährige Ausstellung der “Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunsgewerblerinnen” (GSMBK) im Zürcher Helmhaus ist ein Kunstwerk an und für sich: Insgesamt 101 Arbeiten – Bilder und Skulpturen – von Schweizer Künsterlinnen sind grosszügig und attraktiv auf zwei Stockwerke verteilt, zu bewundern. “Idee, Initiative und Konzept stammen von Marie-Louise Lienhard, Konservatorin des Helmhauses”, erzählt die Präsidentin des Künstlerverbandes “GSMBK”, Marianne Olsen. “Sie war es auch, die de Werke der rund 180 Aktivmitglieder begutachtete, die Frauen in ihren Ateliers besuchte und zu guter Letzt nach künstlerischen und qualitativen Kriterien die 16 Künstlerinnen auswählte, und ihre Arbeiten zu einem Ausstellungsgefüge zusammenstellte.”

Elisabeth Thalmann (72): “Heute mache ich Collagen aus Zeitungen, Zeitschriften und Plakaten. Sie sind mein Medium. Früher malte ich, sogar ziemlich erfolgreich. Erfolg ist mir jetzt ziemlich Wurscht.”

Tages Anzeiger, 22. August 1990

Schweizer Künstlerinnen bekennen Farbe

Ausstellungen von Künstlerverbänden haftet von vorneherein etwas Missliches an. Die Mitglieder dringen einerseits auf ihr Gewohnheitsrecht, wenigstens einerseits einmal im Jahr in würdigem Rahmen an die Öffentlichkeit zu kommen; die Ausstellungsbesucher ihrerseits müssen sich mit viel Mittelmässigem und Gutgemeintem herumschlagen. Derartig matte Auftritte resultieren auch daraus, dass die Künstlerverbände bei uns so ziemlich alles erreicht haben, was es zu erreichen gibt, oder mindstens, was sie sich zu erreichen zutrauen. Und da hat sich nun eben Sattheit breitgemacht.

Die diesjährige Schau der Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen (GSMBK) verspricht nun aber, diesem schon fast fatalen “Gesetz” zu entschlüpfen. Es wurde (aus rund 200 Mitgliedern) streng juriert, 20 bis 25 Künstlerinnen kamen in die engere Wahl, 17 wurden nach einem Atelierbesuch schliesslich für gut befunden. Das heisst nun mindestens Farbe bekennen! Denn beim grosszügigen Platzangebot des Helmhauses können sich die 17 auch ausbreiten. Indem die einzelnen Ausstellungsteilnehmerinnen ganze Folgen von Werken zeigen können (müssen), werden Ihre Stärken, aber auch ihre Schwachen deutlich hervortreten.

Die GSMBK-Ausstellung im Helmhaus wird am Donnerstag um 18 Uhr eröffnet. Am 30. August und 27. September, jeweils um 19 Uhr, stehen die Künstlerinnen dem Publikum Red und Antwort. Dauer der Ausstellung: bis zum 30. September.